Wenn alles zu viel wird – und du dich fragst, ob mit dir etwas nicht stimmt
- Lisa Maria

- 1. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Es war ein ganz normaler Samstag, als mich ein Supermarkt besiegt hat.
Neonlicht. Das Piepen an der Kasse. Der Einkaufsladen gefüllt, als stünde man inmitten eines Bazars. Eine Frau, die sich an meinem Wagen vorbeischiebt und „’tschuldigung" sagt, ohne mich anzusehen. Mein Sohn, der an meiner Hand zieht.
Und mittendrin: ich. Mit einem halb gefüllten Einkaufswagen und dem plötzlichen, glasklaren Gefühl, dass ich hier raus muss. Sofort.
Ich habe den Wagen stehen lassen. Einfach stehen lassen. Mein Mann hat den Einkauf zu Ende gebracht, und ich bin mit unserem Sohn raus auf den Parkplatz – und habe mich mit aller Kraft zusammengerissen, nicht einfach loszuheulen, zwischen den Autos, an einem Samstagvormittag.
Kennst du das?
Reizüberflutung fühlt sich nicht nach Drama an. Sie fühlt sich nach „zu viel" an.
Das ist das Verrückte daran. Von außen sieht man nichts. Keine Katastrophe, kein Grund. Nur ein Einkauf. Und trotzdem läuft in dir längst etwas über. Die Brust wird eng, der Atem rutscht nach oben, jedes Geräusch ist ein bisschen zu laut. Dein Körper weiß Bescheid, lange bevor dein Kopf hinterherkommt.
Jahrelang dachte ich, ich sei einfach zu empfindlich. Zu dünnhäutig. „Andere schaffen das doch auch", habe ich mir gesagt – diesen einen Satz, der mich klein gehalten hat, ohne dass ich es gemerkt habe.
Das Schwerste: dass die Menschen, die dir am nächsten sind, es am wenigsten sehen
Mein Mann tut sich bis heute manchmal schwer, sich da reinzufühlen. Und das verstehe ich sogar. Denn ich habe auch in unserer Beziehung viel zu lange funktioniert. Habe gelächelt, weitergemacht, alles getragen – so gut, dass kaum jemand gesehen hat, was es mich gekostet hat. Wie soll er etwas fühlen, das ich selbst so lange weggepackt habe?
Aber er versucht es. Er versucht zu verstehen. Und er übernimmt die Dinge, die ich gerade nicht mehr kann – den Einkauf zum Beispiel, an einem Samstag, mit einem stehengelassenen Wagen.
Vielleicht ist das der Anfang von allem: dass wir aufhören, so perfekt zu funktionieren, dass niemand mehr merkt, wie voll unser Fass ist.
Du bist nicht kaputt. Dein Nervensystem ist nur feiner gebaut.
Hier kommt der Satz, den mir damals niemand gesagt hat, und den ich dir deshalb gern gebe:
Nicht du bist falsch. Die Welt ist nur zu laut für dein feines System gebaut.
Ein hochsensibles Nervensystem nimmt mehr auf – mehr Geräusche, mehr Stimmungen, mehr von allem. Das ist keine Schwäche, die du wegtrainieren musst. Es ist deine Art, da zu sein.
Und wenn das Fass überläuft, dann nicht, weil mit dir etwas nicht stimmt. Es wurde seit dem Aufwachen Tropfen für Tropfen gefüllt. Der Wecker. Die Nachrichten. Das Licht. Die Stimme, die noch eine Frage hat. Der Supermarkt am Samstag.
Das Überlaufen ist kein Versagen. Es ist ein volles Fass.
Und jetzt das Wichtigste: Du kannst etwas tun
Das ist der Teil, den ich damals am dringendsten gebraucht hätte. Nicht noch eine Erklärung, warum ich so bin. Sondern: und was mache ich jetzt damit?
Es gibt ein paar kleine Dinge, die im Moment der Überflutung wirklich halten. Nichts Großes, nichts, wofür du drei Stunden und einen freien Sonntag brauchst. Klein genug, dass sie auch an deinem vollsten Tag funktionieren – sogar mitten im Supermarkt. Eines davon riecht sogar. Aber dazu ein anderes Mal.
Und wenn du keinen Mann hast, der deinen Einkauf im überfüllten Markt zu Ende bringt – dann habe ich was für dich. Von hochsensibler Frau zu hochsensibler Frau.
Sie liegen in meinem HSP Wegweiser – Was du tun kannst, wenn dein System voll ist. Kostenlos.

Kein Druck. Nur ein nächster Schritt, wenn er sich für dich richtig anfühlt.
(Und ja – ich bin keine Ärztin und keine Therapeutin. Nichts davon ersetzt eine fachliche Begleitung. Es ist das, was mir hilft, wieder bei mir anzukommen.)
Eine Frage zum Mitnehmen: Wann am Tag merkst du zum ersten Mal, dass es zu viel wird? Und – sehen die Menschen um dich herum es eigentlich? Bei mir hat es lange niemand gesehen. Ich auch nicht.


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